Présidentielle 2007

Ein Blog über den französischen Präsidentschaftswahlkampf

Französische Präsidentschaftswahl

Mittwoch, 2. Mai 2007

TV-Duell Royal-Sarkozy heute Abend - letzte Chance für die Sozialistin?

Heute Abend um 21 Uhr findet das lang erwartete Fernsehduell zwischen den beiden Kandidaten der Stichwahl am 6. Mai statt. Zwei Stunden lang werden Ségolène Royal und Nicolas Sarkozy debattieren. Die beiden größten Fernsehsender TF1 und France 2 übertragen. Das Interesse an dem Duell ist enorm, es wird mit mehr als 20 Millionen Zuschauern gerechnet und selbst der Musiksender MTV wird live übertragen.

Für viele ist der Fernsehauftritt heute Abend die letzte Möglichkeit für Royal, die seit Mitte Januar von Umfrage zu Umfrage bestätigte Tendenz umzudrehen, wonach sie von Sarkozy im zweiten Wahlgang mit bis zu acht Prozent Unterschied geschlagen wird. Royal hält man Unberechenbarkeit und Spontanität zugute, außerdem hat sie als Herausforderin nichts zu verlieren. Durch die parteiinterne Kandidatenauswahl der PS im vergangenen Herbst mit drei Debatten gleicher Art dürfte Royal die Übung auch nicht ganz fremd sein.

Sarkozy dagegen kann als Erstplatzierter in den Umfragen relativ entspannt auf ein Unentschieden spielen und Royal angreifen lassen. Beide müssen es gleichzeitig aber vermeiden, aggressiv zu wirken, was beim Fernsehpublikum laut Verhaltensforschern nicht gut ankommt.

Interessanterweise trafen Royal und Sarkozy schon mal vor laufender Kamera aufeinander. Nach den von der Parti socialiste haushoch verlorenen Parlamentswahlen 1993 griff Sarkozy Royal scharf an. Royal wies den verblüfften Sarkozy ebenso scharf zurück mit den Worten: "Können Sie mal mit ein bisschen Respekt mit ihrem politischen Gegner reden?"


Auch Royal beeindruckt mit ihrem Abschlussmeeting

Dem bombastischen Meeting von Nicolas Sarkozy letzten Sonntag stand das gestrige Abschlussmeeting von Ségolène Royal in nichts nach. Royal konnte sogar mit noch größeren Menschenmassen aufhorchen lassen. 40000 Leute feierten bei strahlendem Sonnenschein im Stadion Charléty im Süden von Paris ein Volksfest, mehrere Zehntausend mussten aus Platzmangel wieder nach Hause geschickt werden. Nach einem gut vierstündigen Konzert mit großen Namen des französischen Pop wie Renaud, Bénabar, Indochine, Cali, Têtes Raides und Grand Corps Malade hielt Royal schließlich gegen 19 Uhr eine Rede. An einem symbolischen Tag, dem 1. Mai, und einem nicht minder symbolischen Ort (im Stade Charléty versammelten sich am 27. Mai 1968 30000 Studenten zu einer Demonstration) reagierte Royal auf Sarkozys Verurteilung der 68er-Bewegung vom Sonntag. "Alle Frauen sind Erben von Mai 68", lobte Royal die Bewegung, "die den Arbeitern eine Menge gebracht" habe.

Mit ihren jeweiligen Abschlussmeetings haben beide Kandidaten sicherlich neue Maßstäbe gesetzt. Im Vergleich der beiden Veranstaltungen fiel auf, dass Royals Publikum viel gemischter als Sarkozys war und eher die Verhältnisse der französischen Gesellschaft abbildete. Generell ging es im Stade Charléty bunter zu. Im Gegensatz zu Sarkozys sehr amerikanisch inszeniertem Spektakel vom Sonntag wirkte Royals Meeting ungezwungen, natürlich und nicht komplett durchorganisiert.
So landete ein Junge auf der Bühne, der verzweifelt seine Eltern suchte, aber kein Wort Französisch sprach. Kommentar des Moderators in Anspielung auf Sarkozy, der von potentiellen Einwanderern die Beherrschung der französischen Sprache verlangt: "Wir werden ihn nicht an die Grenze zurückschicken."


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