Présidentielle 2007

Ein Blog über den französischen Präsidentschaftswahlkampf

Französische Präsidentschaftswahl
Samstag, 21. April 2007

Arlette Laguiller, Kandidatin von Lutte Ouvrière

Zusammen mit Jean-Marie Le Pen gehört Arlette Laguiller, wenn auch vom entgegen gesetzten Ende des politischen Spektrums kommend, zu den alten Hasen der diesjährigen Präsidentschaftswahl. Beide Kandidaten stellten sich schon 1974 den Franzosen zur Wahl. Laguiller war damit die erste Frau überhaupt in der Geschichte Frankreichs, die den Elysée-Palast im Visier hatte. Einen weiteren Rekord hält sie bei der Anzahl der Kandidaturen: Seit 1974 hat Laguiller nicht eine Präsidentschaftswahl ausgelassen und ist somit aktuell in ihrem sechsten Anlauf. Der soll aber auch ihr letzter sein.

Lag die Sprecherin der Partei Lutte ouvrière (LO, Arbeitskampf) bei ihren ersten drei Kandidaturen noch konstant bei etwa zwei Prozent, so konnte sie 1995 und 2002 über fünf Prozent der Stimmen erzielen. Für eine trotskistische Vereinigung ist das ein respektabler Wert, der wohl nur in Frankreich möglich ist. Ein Schwelle, die außerdem ungemein wichtig für das finanzielle Überleben der Partei ist. Erhalten Präsidentschaftskandidaten mindestens fünf Prozent der abgegebenen Stimmen, steigen für sie die Zuschüsse aus der staatlichen Wahlkampffinanzierung enorm. Die kleinen Kandidaten können so meist ihr komplettes Wahlkampfbudget abdecken.

Jene fünf Prozent wird Laguiller dieses Jahr aber kaum wieder erreichen. Den ersten Rang unter den linken Splitterkandidaten hat ihr mittlerweile der dynamische Olivier Besancenot abgelaufen, dessen ebenfalls trotskistische Partei Ligue communiste révolutionnaire mit Laguillers LO leicht verwechselbar ist. Zwar lautet Laguillers Slogan "Wer sonst kann ernsthaft von sich behaupten, aus dem Arbeiterlager zu sein?", genau dieses Arbeitermilieu ist jedoch ebenso Besancenots Zielklientel. Wie der revolutionäre Kommunist fordert Laguiller etwa die Erhöhung von Gehältern, Renten und des Mindestlohns; den Bau von Sozialwohnungen; den Ausbau des öffentlichen Dienstes. Die Geißelung der Unternehmen des Börsenindex CAC 40 und ihrer Milliardengewinne ist auch bei Besancenot und der Kommunistin Marie-George Buffet eine gewohnte Nummer.

Aber selbst wenn die kleinen linken Kandidaten am Sonntag wieder mehr oder weniger ehrenhaft abschneiden - insgesamt sicher schlechter als 2002 -, dann überlebt zumindest eine ihrer Maßnahmen im Programm von Royal. Die Sozialistin hat den Vorschlag übernommen, von Unternehmen, die Standorte ins Ausland verlegen, eventuell gezahlte Subventionen zurückzufordern.

Diese Woche begann Laguiller nach über 40 Jahren politischen Engagements eine Art Abschiedstournee. Mit berechtigtem Stolz kann die 67-Jährige auf das Erreichte zurückblicken. Neben ihren regelmäßigen Präsidentschaftskandidaturen war sie 34 Jahre lang Sprecherin von Lutte ouvrière. Dieselbe Kontinuität zeigte sie im Beruf. Mit 16 Jahren beendete Laguiller die Schule und arbeitete anschließend bis zu ihrer Rente im Jahr 2000 durchgehend bei der Bank Crédit Lyonnais. Natürlich nicht, ohne sich als Gewerkschaftsmitglied für die Interessen der Angestellten einzusetzen.

Das letzte Mal auf der großen Bühne, dank den Regelungen der offiziellen Wahlkampfphase groß im Rampenlicht, das muss man auskosten. Nicht nur Laguiller selbst ist zur Zeit ein bisschen sentimental. Das Fernsehen zeigte in den letzten Tagen mehrfach eine Schwarz-Weiß-Sequenz, in der die 33-jährige Laguiller ihre Kandidatur zur Präsidentschaftswahl 1974 verkündet.

Ununterbrochen hat Lutte ouvrière in Laguiller also eine Frau an seiner Spitze gehabt, und das soll, geht es nach der Kandidatin, so bleiben: "Ich wünsche mir eher eine Frau als Nachfolgerin. Die Wahl wird unter zehn Kameraden getroffen." Auch wenn sie sich aus der Politik zurückzieht, den Glauben an ihre Ideale gibt Laguiller nicht auf: "Ich hoffe, dass ich die Revolution noch eines Tages miterlebe."


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